Was sind kognitive Verzerrungen bei Entscheidungen?

Kognitive Verzerrungen beeinflussen unsere Wahrnehmung und führen zu schlechteren Entscheidungen.

Entscheidungstheoretiker beschäftigen sich schon lange mit der Fragestellung, wie wir zu besseren Entscheidungen kommen. Oft ist es uns nicht gar bewusst, dass wir zwischen mehreren Alternativen wählen. Im Laufe des Lebens haben wir viele Erfahrungen gesammelt, die bei der Entscheidungsfindung helfen. Das spart viel Denkarbeit und wir kommen schneller zu einem Ergebnis. Wenn wir jede Entscheidung rational und erst nach dem Abwägen aller Alternativen treffen würden, dann kämen wir womöglich nie ins Handeln. Stattdessen lassen wir die Erfahrung sprechen und schätzen ab, ob uns eine bewährte Methode auch in dieser Situation weiterbringt. Oft darf auch der Bauch mitreden. Manchmal hoffen wir auf eine Eingebung oder Intuition. Diese Vorgehensweise nennt man Heuristik. „Heuristik bezeichnet die Kunst, mit begrenztem Wissen (unvollständigen Informationen) und wenig Zeit dennoch zu wahrscheinlichen Aussagen oder praktikablen Lösungen zu kommen.“ (Wikipedia)

Die meisten Entscheidungen im Leben sind das Ergebnis der heuristischen Denkkunst. Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die Wahl des Ehepartners. Dabei kämen wir nie auf den Gedanken einen differenzierten Entscheidungsbaum mit allen möglichen Partnern aufzuzeichnen und die Alternativen zu gewichten und mit Wahrscheinlichkeiten zu bewerten. Ganz im Gegenteil, die Vernunft ist die Liebe eher hinderlich. Doch bei der Berufswahl ist das schon etwas anders. Wir informieren uns über die Chancen, das Jobangebot, das Gehalt und die Voraussetzungen. Nach reiflichem Abwägen der Pros und Kontras beginnen wir mit einer Ausbildung oder einem Studium. Wenn wir allerdings nach einiger Zeit bemerken, dass der Job keinen Spaß macht, hören wir wieder unserem Gefühl und pfeifen auf die Ratio.

Nicht viel anders verhält es sich in der Wirtschaft. Die meisten großen Unternehmensentscheidungen werden aus dem Bauch heraus getroffen, das haben Manager gegenüber dem Magazin Brand Eins zugegeben. Im Unternehmen dürfen Sie nicht zu ihrem Bauch stehen. Stattdessen müssen sie Unternehmensberater engagieren, die nachträglich Argumente finden müssen. Präsentiert auf schönen Flips nickt sie der Vorstand oder Aufsichtsrat dann gerne ab. Dass Bauchentscheidungen selbst im Börsengeschäft erfolgreich sind, hat Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in mehrfach wiederholten Experimenten nachgewiesen. Eine Gruppe zufällig ausgewählter Straßenpassanten, die zufällig Namen von Börsenunternehmen nannten, erreichten eine wesentlich höhere „Performance“, als ein von Finanzexperten und Börsenanalytikern zusammengestelltes Portfolio.

Einer der größten Kritiker des menschlichen Entscheidungsvermögens ist der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman. Für Kahneman vertraut der Mensch viel zu sehr seiner Urteilskraft. Die meisten Entscheidungen werden nach genauerem Hinsehen gar nicht rational getroffen. Verlässt der Mensch sich zu sehr auf das Gefühl oder die Intuition, dann führt das auch nicht zu besseren Ergebnissen. Das liegt an unserer begrenzten Wahrnehmung. Wir sehen die Welt durch ein trübes Glas, sagte schon der berühmte Meditationslehrer Satya Narayan Goenka. Für Kahneman sind es kognitive Verzerrungen, die unsere Weltsicht trüben. In seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ hat er emsig Beispiele für kognitive Verzerrungen zusammengetragen. Eine davon ist der Mere-Exposure Effekt, der vom Marketing schamlos ausgenutzt wird. In Werbespots wird für Sekunden eine Marke eingeblendet, ohne dass wir sie wahrnehmen. Damit wird ein Abdruck im Unbewussten erzeugt. Das Unbewusste steuert die Kaufentscheidung. Die Wiederholung schafft Vertrauen in einer unsicheren Welt. Der Mere-Exposure Effekt ist biologisch verankert und wirkt auch bei Tieren.

Aber es liegt nicht nur an der getrübten Wahrnehmung. Oft treffen wir falsche Entscheidungen, weil das Gehirn einfach zu bequem ist. Normalerweise lösen wir Aufgaben im Denkmodus des „schnellen Denkens“. Das „schnelle Denken“ erfolgt mühelos und automatisch, es stützt sich auf Erfahrung. In diesem Denkmodus können wir einfache Rechenaufgaben, wie 2+2, lösen. Schon bei etwas komplexeren Aufgaben kommen wir damit nicht weiter. Die Aufgabe 17×24 z.B. erfordert mehr Konzentration und mentale Anstrengung. Wir müssen in einen anderen Denkmodus wechseln, der mit mehr Energie und Zeit verbunden ist. Kahneman bezeichnet diesen Denkmodus als „langsames Denken“. Doch häufig ist das Gehirn zu träge, sich anzustrengen. Entscheidungen werden trotz unsicherer Rahmenbedingungen aus der Hüfte geschossen.

Aber was können wir tun, um bessere Entscheidungen zu treffen? Der Denkskeptiker Kahneman rät, den Blick zu weiten, bevor man sich entscheidet: Wie viel Zufall ist im Spiel, und wie genial ist man wirklich? Doch auch wenn man sich stets dieser Regel bewusst ist, sind nur kleine Fortschritte möglich.

Größere Fortschritte verspricht die Übung der Meditation. Meditation schärft erwiesenermaßen die Wahrnehmung und das Bewusstsein. Das habe auch viele Manager erkannt. Sie meditieren regelmäßig, um in ihrem Job bessere Entscheidungen treffen zu können

By |2018-08-07T18:52:30+00:00September 15th, 2017|

Über den Autor:

Handelslehrerin, Dipl. Kauffrau, Projektmanagerin (PMI), MBSR- und Yogalehrerin. Mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft in internationalen Konzernen. Nach intensiver Stresserfahrung habe ich mich entschieden, Trainings über Achtsamkeit anzubieten. Achtsamkeit hat meine Widerstandskraft gegen Stress nachhaltig gefördert.