Ein Großteil des Stresses ist selbstgemacht. Das wollen wir oft nicht wahrhaben, denn sonst müssten wir unsere Verhaltensmuster ändern. Das fällt schwer und ist unbequem. Stattdessen fühlen wir uns lieber als Opfer und als Rad im Getriebe. Wir zeigen mit dem Finger auf die Gesellschaft oder den Arbeitgeber und hoffen, dass sich dort etwas ändert. Dabei wissen wir, dass das so schnell nicht passieren wird. Nur wir selbst können kurzfristig etwas ändern. Zum Glück haben wir mehr Handlungsspielräume, als wir glauben. Das erkennen wir jedoch nur mit einer gewissen Distanz auf unser Leben.

Der Weitblick geht uns im Stress verloren. Das haben Neurowissenschaftler herausgefunden. Sie nennen dieses Phänomen den „Tunnelblick“. Im Stress verengt sich die Sicht. Dabei übernehmen die Gefühle (Limbisches System) die Steuerung und die Verbindung zum Großhirn wird gekappt. Dadurch können wir nicht mehr klar denken, sondern sehen die Welt wie durch einen Tunnel. Eine Alternative sehen wir nicht. Es ist immer derselbe Weg, dasselbe Verhaltensmuster, das wir wählen. Wir handeln im Stress immer gleich, egal ob es sinnvoll ist oder nicht. Zum Beispiel ist eines der beliebtesten Stress-Verhaltensmuster, schneller zu arbeiten. Dabei hoffen wir, die Arbeit möglichst bald zu erledigen. Das ist allerdings in der heutigen Arbeitswelt eine Illusion. Kaum haben wir eine Aufgabe erledigt, folgt schon die nächste. Schneller zu arbeiten erweist sich als sinnlos und schadet auf die Dauer der Gesundheit.

Neurowissenschaftler haben erforscht, warum wir alte Gewohnheiten lieben. Sobald wir Verhaltensmuster wiederholen, belohnt uns das Gehirn. Es schüttet die körpereigene Droge Dopamin aus. Damit macht es das Gehirn so schwer, alte Muster loszulassen. Der Wunsch und die Einsicht, dass wir etwas ändern müssen, reichen nicht aus. Wir müssen das Gehirn austricksen, wenn wir gesündere Verhaltensmuster erlernen wollen.

Der Körper muss erst zur Ruhe kommen, damit sich der Blick weitet. Eine gute Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, ist die Übung der Achtsamkeit. In der Meditation nehmen wir Distanz ein und beobachten unsere Gedanken. Dadurch erhalten wir tiefe Einblicke in unsere Muster und Konzepte. Erst wenn wir diese kennen, können wir unser Handeln hinterfragen.